Einseitiger (congenitaler?) Katarakt bei 15monatigem Kleinkind


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Abgeschickt von Ariane K. am 17 Juli, 2001 um 17:51:48

Sehr geehrter Herr Dr. Happe,

ich wende mich an Sie, da mir die Kieler Augenklinik persönlich empfohlen wurde und Sie der der offiziell (einzige?) gelistete Spezialist für Kinderoptometrie sind.

Der nachfolgende Text ist sehr lang, wir wären Ihnen aber sehr, sehr dankbar, wenn Sie die Zeit fänden, auf unser Anliegen zu antworten.

Bei unserer 15monatigen Tochter wurde unilateraler (vermutet congenital, läßt sich aber nicht nachprüfen) Katarakt diagnostiziert.
Der Katarakt wurde weder nach der Geburt,noch bei den regelmäßigen frühkindlichen Untersuchungen, noch bei einem Augenarztbesuch (auf unser Drängen hin) im Alter von 12/13 Monaten bemerkt. Erst ein zweiter Augenarzttermin (den wir eigenmächtig 2-3 Wochen nach der ersten Consultation tätigten) brachte die Diagnose und eine Überweisung in die Augenklinik.

Der Katarakt ist äußerlich nicht sichtbar, ihre Motorik und "Sehen"/Detailsehen funktionieren hervorragend. Auch sog. "Laien-Tests" (Lichteinfall/-reflexionstest) zeigten und zeigen keinerlei Auffälligkeiten.
Einziger Hinweis war ein zeitweise "Lazy Eye", das dem anderen Auge ab und an "hinterher hinkte" (Hinweis auf Amplyopie). Dieses bemerkten wir zuerst im Alter von ca. 5 Monaten (bei Hinweis an den behandelnden Arzt wurden wir beruhigt, daß dies eine häufige Erscheinung bei Babies und Kleinkindern wäre).

Eine Operation zur Entfernung der getrübten Linse ist für September vorgesehen. Die Folgebehandlung sieht das Anpassen einer externen Kontaktlinse sowie einer Brille fürs Nahsehen sowie Occlusionsbehandlung (ca. 60-80% der wachen Zeit bis ins Schulalter, ca. 6-7 Jahre lang)vor.
Von der Implantierung einer Kunstlinse wurde uns aufgrund des noch ausstehenden Wachstums abgeraten (die Klinik empfiehlt das Einpflanzen von KLs ab dem Alter von ca. 10-12 Jahren - welches Alter raten Sie an?).

Unsere Fragen:

1. Ist es ratsam, unsere Tochter in einer zweiten Klinik noch einmal untersuchen zu lassen (ich erhielt von einem Ophthalmologen den Hinweis, daß sehr sorgfältig abgewogen werden müßte, ob in diesem Fall überhaupt operiert werden sollte)?

2. Läßt die Tatsache, daß der Katarakt sich äußerlich überhaupt nicht bemerkbar macht darauf schließen, daß es sich um einen kleinflächigen Katarakt handelt, was wiederum die Schlußfolgerung nahelegt, daß Seheindrücke grundsätzlich vorhanden sind?

3. Die traditionelle Amblyopie-Behandlung durch Occlusionstherapie (sicher die älteste und verbreiteste, pragmatischste und wirtschaftlichste Methode) beinhaltet für mich derzeit noch zuviele Nebeneffekte und Fragezeichen, als daß ich dieser Therapie vorbehaltslos zustimmen kann. Sorgen bereiten mir die folgenden Punkte:

Physiologische Negativ-Effekte:
- Auswirkung der Occlusion auf das bis dato gesunde Auge
- Rückschritt in der Gesamtentwicklung (Unterbrechung des bisherigen Rythmus und Geschwindigkeit bei der Entwicklung/ dem Erlernen von Fähigkeiten)
- passive Therapie (reine Sehkraftstärkung - die Bereiche Fixierung, Konvergenz, Koordinierung, Steuerung im Gehirn werden nicht aktiv angesprochen)
- Defizit im räumlichen Sehen (Kinder oft Probleme bei Ballspielen, schnellen Aktivitäten)
- beidseitiges Sehen/ Entwicklung wird verhindert bzw. nicht aktiv gefördert

Psychologische Negativ-Effekte:
- Persönlichkeitsveränderung aufgrund von Unsicherheit und Frustration (mehrheitlich auffällige Schüchternheit, Unsicherheit, "ruhige" Kinder)

Frage der Effektivität und Effizienz der Therapie:
- es existieren Studien, daß nur 16% der mit Occlusionstherapie behandelten Patienten auch langfristig die verbesserte Sehkraft behalten
- neurologischen Ergebnisse, daß 15 Minuten Occlusion pro Tag das gleiche Resultat wie 24 Std. bringen
- der Haupterfolg durch Occlusion wird in den ersten 3-4 Monaten erzielt, danach gibt es nur marginal Verbesserungen
- sehr lange (vage Angabe über Behandlungszeitraum) aggressive Behandlung mit nicht vorhersehbaren (?) Erfolgschancen

All dies sind Punkte, die in meinen Augen den Aufwand von 6-7 Jahren Occlusion nicht unbedingt rechtfertigen.
Ein Vergleich, der sich mir aufdrängt, ist z.B. der eines Patienten mit einem Beinproblem, dem gesagt wird, er solle doch das gesunde Bein hochbinden und die nächsten Jahre einfach laufen, um das geschwächte Bein wieder fit zu machen...

Ich habe mich mit dem Thema der "Vision Therapy" (Funktionale Optometrie, optometrisches Visualtraining - NICHT reine Entspannungstherapien, Bates-Methode o.ä.) beschäftigt (welches in Deutschland nicht sehr verbreitet und offiziell bisher nicht anerkannt ist)und sehe hier persönlich erfolgversprechende Ansätze und Einzelstudien.

Haben Sie selbst (oder vielleicht Kollegen)mit optometrischen Visualtraining (funktionaler Optometrie) Erfahrung gemacht?

Könnte ein optometrisches Visualtraining (z.B. in Verbindung mit Minimal-Occlusion, Zusammenarbeit mit einem Orthopäden und Augenarzt/ Klinik) ein alternativer Therapieansatz sein?

Für Ihren Rat und Ihre Meinung danken wir Ihnen sehr im voraus!

Mit freundlichen Grüßen

Ariane K.


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