Re: Schielen und Bifokalbrille


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Abgeschickt von Wilhelm Happe am 21 Juli, 2001 um 21:37:43

Antwort auf: Schielen und Bifokalbrille von Elisabeth H. am 17 Juli, 2001 um 00:40:21:

: Was haben zwei verschiedene Sehstärken in jedem Glas mit Schielen zu tun?

Bifokalgläser werden bei Kindern mit Innenschielen verordnet, wenn ein akkommodativer Konvergenzexzeß vorliegt. Das heißt, es kommt bei Blick in die Nähe zu einer überschießenden Bewegung beider Augen nach innen. Da Anspannug der Augenlinsen (Akkommodation = Erhöhung der Brechkraft) und Bewegung nach innen (Konvergenz) immer gemeinsam erfolgen läßt sich durch Vermeidung/Reduzierung der Akkommodation mit Hilfe des Nahzusatz im Brillenglas das Innenschielen in der Nähe bremsen.

: Ist die Gewöhnung an die neuen Gläser schwierig?

Das Vorliegen eines akkommodativen Konvergenzexzeßes allein ist noch keine ausreichende Indikation für Bifokalgläser, es muß auch mit den Gläsern eine funktionelle Verbesserung erzielt werden. D.h. eine Reduktion eines Nahschielwinkels von 20° auf 10° ist nicht automatisch eine funktionelle Verbesserung. Sie ist aber gegeben, wenn mit Bifokalgläsern z.B. Simulansehen in der Nähe möglich ist (positiver Bagolini-Test). Langer Rede kurzer Sinn: das Kind bemerkt die funktionelle Verbesserung und nutzt das Nahteil gern. Ist das nicht der Fall, muß überlegt werden, ob die Bifokalbrille wirklich sinnvoll war.

Gibt es auch für Kinder Gleitsichtgläser?
Ja. Manchmal ist das auch sehr sinnvoll. Aber nie als Erstbrille - immer sollte erst mit einer Bifokalbrille die Sicherheit gefunden werden, daß der Nahzusatz wirklich sinnvoll ist und vom Kind auch genutzt wird.

Selten gibt es auch das Krankheitsbild des hypoakkommodativen Konvergenzexzeßes, bei dem eine Akkommodationsschwäche besteht, die nur mit Anstrengung (kurzzeitig) überwunden werden kann. Dabei kommt es gleichzeitig zu überschießender Konvergenz. Für diese Kinder ist eine Bifokal- bzw. Gleitsichtbrille ein Muß! Im Gegensatz zu dem viel häufigeren oben beschriebenen hyperkinetischen akkommodativen Konvergenzexzeß, kommt bei diesen Patienten eine operative Behandlung nicht in Frage.


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