Re: Winkelfehlsichtigkeit - Prismenbrille für Kinder?


Klicken Sie hier, um auf die Forum-Startseite zu gelangen.

Abgeschickt von Wilhelm Happe am 22 Juli, 2001 um 07:30:16

Antwort auf: Winkelfehlsichtigkeit von Peter R. am 20 Juli, 2001 um 12:22:00:

Der Begriff Winkelfehlsichtigkeit ist medizinisch gesehen nicht ganz sauber. Er suggeriert, daß es sich um eine ähnliche Störung wie die Fehlsichtigkeiten (Myopie, Hyperopie, Astigmatismus) handeln würde. In Wirklichkeit ist muß man die damit gemeinten Probleme differenzierter sehen. Eine latente Fehlstellung der Augen ist nichts ungewöhnliches. Etwa 80% der Normalbevölkerung haben z.B. in der Nähe eine Neigung zum Außenschielen (Exophorie). Die brauchen nicht alle eine Prismenbrille! Auf der anderen Seite gibt es Patienten mit nicht oder kaum meßbarer Heterophorie, die dennoch Beschwerden haben (meist Kopfschmerzen nach Augenanstrengung, z.B. Lesen). Sie setzen unbewußt Kompensationsmechanismen ein, die ein einfaches Ausmessen der Heterophorie vereiteln oder sogar falsche Werte vortäuschen (z.B. Esophorie statt Exophorie).
Bei Kindern wird häufig fälschlich eine Esophorie (latentes Innenschielen) gemessen, die dadurch entsteht, daß das in der Meßsituation eher angestrengte Gucken zu leicht überschießender Akkommodation und Konvergenz führt.
Langer Rede kurzer Sinn: Prismenverordnung bei Kindern ist durchaus manchmal erforderlich, gehört aber in die Hand des Spezialisten. Eine einzige Untersuchungsmethode (MKH - Polatest) reicht zur Beurteilung der fraglichen Störung sowie der Behandlungsnotwendigkeit und der Behandlungsart nicht aus!



Antworten:




Klicken Sie hier, um auf die Forum-Startseite zu gelangen.