Re: Atropin-POS 1% bei 2 Jähriger


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Abgeschickt von kerstin am 21 Juli, 2002 um 16:49:11:

Antwort auf: Atropin-POS 1% bei 2 Jähriger von Carsten G. am 21 Juli, 2002 um 15:49:59:

: Hallo,
: ich war letztlich mit meiner 2jährigen Tochter beim Augenarzt. Er hat keinen Sehfehler gefunden, möchte aber zur Sicherheit mit Atropin 1% -Augentropfen einen eventl. "verdeckten" Schielfehler aufdecken.
: Fand den Arzt recht kompetent, habe nun aber die Nebenwirkungen auf dem Beipackzettel gelesen (Wärmestau, psychische Störungen!!) und so meine Zweifel, ob das Medikament in dem Alter sein muss?!
: Meine Fragen:
: 1. Hat jemand negative Erfahrungen mit
: Atropin 1% gemacht?
: 2. Gibt es andere Medikamente, die ebenfalls pupillenerweiternd wirken?
: 3. Wie oft muss ein Kind auf diese Art und Weise untersucht werden (schließlich wachsen die kleinen Mäuse ja noch relativ schnell)?

hallo,

zu 1. in der Klinik, in der ich arbeite, werden mindestens 2 Kinder pro Woche mit weitgetropften Pupillen (Atropin)untersucht. Bis jetzt hatten wir nur selten heftige Reaktionen auf das Atropin, diese Kinder waren meistens entweder durch eine Erkältung oder durch eine Grunderkrankung geschwächt oder hatten ausgeprägte Allergien oder Neurodermitis. Meistens wurde mit Fieber und erheblich ruhigerem Verhalten, seltener mit Apathie reagiert. Seltener ist lebhafteres Vehalten.
Gesunde Kinder vertragen in der Regel Atropin recht gut. Recht oft haben die Kleinen allerdings gerötete Wangen. Wir empfehlen den Eltern, Ihre Kinder genau zu beobachten und bei Auffälligkeiten (vor allem bei Fieber)den Kinderarzt aufzusuchen. Kindern mit Herzfehlern geben wir Atropin nicht.

zu 2. Die Alternative zu Atropin ist Cyclopentolat, das muß allerdings bei kleineren Kindern vorsichtig dosiert werden. Meist wird das Cyclopentolat bei Kleinkindern in Kombination mit Mydriatikum (gut verträgliches pupillenerweiterendes Mittel) getropft. Das ausschließliche Tropfen mit Mydriatikum ergibt aber keine genauen Meßwerte bei der Bestimmung der Fehlsichtigkeit, da Mydriatikum die Naheinstellung der Augen nicht ausschaltet. Der Vorteil des Cyclopentolat ist, das die Pupillen nicht so lang weit sind (ca. 2 Tage) wie beim Atropin (bis zu 2 Wochen). Bei bekannter Epilepsie oder Fieberkrämpfen im Kleinkindalter oder Epilepsie in der Familie ist das Cyclopentolat kontraindiziert.
Atropin 1% finde ich für zwei Jahre etwas zu stark, wir geben in dem Alter 0,5%iges Atropin. Manche Kliniken verwenden Atropinol=Atropinöl, das soll in der Regel noch etwas besser vertragen werden. Mit Atropinol habe ich allerdings keine Erfahrungen.

zu 3.Das ist abhängig davon, ob das Kind eine auffällige Fehlsichtigkeit hat oder ob z. B. ein Schielen auffällig ist. Bei Kindern mit hohen Fehlsichtigkeiten und/oder Schielen kontrollieren wir mit Atropin ca. alle 6 Monate. Sollte sich keine auffällige Fehlsichtigkeit bei der Ausmessung der Augen ergeben und kein Schielen oder ein auffälliges Sehverhalten zeigen, kontrollieren wir die Fehlsichtigkeit mit weiten Pupillen in der Regel alle 9 Mon bis 12 Mon.
Bei Kleinkindern ist eine Weitsichtigkeit bis zu ca. 3 Dioptrien völlig normal.

Ich hoffe, ich konnte Ihre Fragen zufriedenstellend beantworten.

Viele Grüße

Kerstin



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