Re: Schiel-OP/Doppelbilder


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Abgeschickt von Diana am 05 August, 2002 um 21:30:33

Antwort auf: Schiel-OP/Doppelbilder von jule am 31 Juli, 2002 um 20:30:18:

Hallo Juliane!
Du musstest eine Weile auf die Antwort warten, aber dafür kommt hier eine XXL-Mail.
Bei mir ist die OP gut verlaufen. Es gab zum Glück keine Komplikationen, wie z. B. Doppelbilder. Ich erzähl Dir einfach mal ausführlich, wie es gelaufen ist. Falls Du Dir die "Überraschung" nicht verderben willst. Vielleicht findest Du es auch abschreckend, den ganzen OP-Ablauf zu erfahren, (bist Du unsicher, ob Du die OP machen willst?). Dazu will ich Dir aber sagen, dass es natürlich kein reines Vergnügen war, aber es ist wirklich nicht allzu schlimm. Wenn ich genau gewusst hätte, wie das alles abläuft, wäre ich vielleicht sogar ruhiger gewesen bei der OP. Die OP war am 15. Juli. Sie war ambulant und ich bekam nur eine örtliche Betäubung (wird bei Dir wohl auch so sein, nur Kinder werden unter Vollnarkose operiert). Ich war dann an dem Tag doch ziemlich nervös, (vorher hatte ich damit überhaupt kein Problem) als ich im Vorbereitungsraum lag, hatte ich einen Ruhepuls von 100 - toll, dachte ich, und dabei haben sie noch nicht mal angefangen. Dass ich gleich nach dem Umziehen die Brille abgeben musste, erleicherte die Sache nicht gerade (ich bin ziemlich stark kurzsichtig, und ohne Brille natürlich unsicher). Bei mir wurde, wie bei Dir, das linke Auge operiert. Ich bekam zuerst verschiedene Augentropfen (wofür die im einzelnen gut waren, wusste ich nicht, allgemein muss ich leider sagen, dass die Infos von den Ärzten sich in Grenzen halten und dass man ihnen alles aus der Nase ziehen müsste, hab ich leider nicht/wenig gemacht). Danach wurde der ganze Bereich ums Auge mit einem Desinfektionsmittel (glaub ich) eingesprüht, es hat aber irgendwie ganz leicht betäubend gewirkt. Vielleicht war das nur der Kühleffekt. Nun kam der "schmerzhafteste Teil der ganzen Operation" (Zitat Arzt) - ich bekam die Betäubungsspritze in die Wange, unterhalb des Auges. Und ich dachte: Manche schieben schon Panik, wenn sie ein Spritzchen in den Arm kriegen. Das war schon ziemlich unangenehm. Daraufhin legte man mir einen "Druckverband" über das Auge, so eine Art aufblasbares Luftkissen. Nach kurzer Zeit nahmen sie den Verband wieder ab und der Arzt forderte mich imme wieder auf, nach links und nach rechts zu schauen. Das erste Mal - kein Problem, beim zweiten Mal flimmerte ein komisches Muster vor dem Auge, beim dritten Mal war das Auge völlig betäubt. Ich konnte nichts mehr auf dem Auge sehen, und ich spürte nicht, wenn ich blinzelte (vielleicht konnte ich das auch gar nicht mehr, ich konnte nämlich auch nicht mehr sagen, ob das Auge offen oder geschlossen war). Nun war ich also bereit und wurde in den OP-Saal geführt. Sie deckten mein Gesicht mit einem Tuch ab, das leicht klebrig war und am Gesicht etwas haftete, nur ein Loch für das Auge blieb frei. Natürlich bekam ich akustisch alles mit, was mich nicht eben beruhigte - der Operateur gab der Assistentin Anweisungen in einer Art, als ob sie das zum ersten oder höchstens zweiten Mal machen würde - vorher diskutierte diese Assistentin mit einer anderen Schwester über den Unterschied von internus und externus (wohl innerer und äußerer Augenmuskel, welches von beiden was ist, war ihr scheinbar nicht ganz klar. Schwester: " ich merk mir das so: internus wie innen!"). Ich hörte dann eben das Gemurmel über Skalpell und Nadelhalter und blabla. Schwierig wurde die Sache aber erst, als ich begann, auf dem linken Auge wieder etwas zu sehen! Zum Glück nicht in Farbe, es war alles weiß und hellgrau, aber ich sah die Hände, die Nadel und den Faden, auch die einzelnen Lampen der OP-Leuchte konnte ich unterscheiden. Nun geriet ich doch etwas in Panik und fragte, wie lange es noch dauern werde, worauf der Arzt meinte, wir hätten schon mehr als die Halbzeit geschafft. Ich jammerte: " Ich kann wieder ein bisschen sehen...!" Kommentar vom Arzt: "Na seien Sie doch froh, das ist doch besser als wenn Sie gar nichts mehr sehen würden." Da war ich aber anderer Meinung, zumindest was den OP-Zeitraum betrifft! Aber scheinbar war das also normal, denn mir kamen irgendwie die Horrorgeschichten in den Sinn, von Leuten, bei denen bei einer Operation die Vollnarkose versagt - sie sehen, hören und spüren alles, aber sie können sich nicht bemerkbar machen. natürlich war der Gedanke blödsinnig, denn ich *konnte* mich ja mitteilen. Ich versuchte dann, mit dem rechten Auge zu schauen und das linke weitgehend "auszuschalten", aber das war schwierig, weil ich normalerweise hauptsächlich das linke Auge benutze und weil sich ja vor dem linken Auge etwas bewegte, vor dem rechten, abgedeckten Auge aber nicht. Ich fing an, nervös mit den Fingern zu trommeln, worauf die Schwester beruhigend meine Hand tätschelte. Schließlich war die OP zu Ende, und der Arzt meinte zu mir: "Na, die Frauen sind doch die Tapfereren!". Die Schwester wies mich darauf hin, dass ich möglicherweise Kopfschmerzen oder Übelkeit bekommen könnte und dass ich dann nor male Schmerztabletten nehmen könnte. Ich bekam einen Verband und wurde nach Hause geschickt.
Als die Betäubung nachließ, hatte ich Schmerzen am Auge und auch allgemein Kopfschmerzen. Sie waren eigentlich nicht allzu stark, aber ich nahm doch eine Schmerztablette, weil ich die Schmerzen speziell am Auge als unangenehm empfand. Ich spürte jede kleine Augenbewegung, also verbrachte ich den größten Teil des Tages mit geschlossenen Augen im Bett, denn bekanntlich kann man *ein* Auge durch einen Verband nicht ruhigstellen, weil es sich trotzdem parallel mit dem anderen gesunden Auge bewegt, man muss also beide Augen schließen.
Ich war natürlich "wunderfitzig" (badisch: neugierig) und schaute unter den Verband, aber ich konnte das Auge nicht öffnen, da die Wimpern ganz verklebt waren, und natürlich war es auch geschwollen.
Am nächsten Tag ging ich zur Nachuntersuchung noch mal in die Augenklinik. Dort wusch die Orthoptistin erst mal das Auge ab, damit ich es überhaupt öffnen konnte, und fragte mich gleich, ob ich Doppelbilder sehen würde. Ich konnte das aber gar nicht genau sagen, weil ich alles so "komisch "sah, daraufhin meinte sie: "Dass das erst mal komisch ist, ist normal, aber sehen Sie mich doppelt? Sehen Sie die Leuchte an der Wand doppelt?" Das tat ich zum Glück doch nicht. Aber ich sah doch anders, wenn ich etwas in die Hand nehmen sollte, griff ich fast daneben, mir war etwas übel und schwindlig, und irgendwie fehlte mir die "räumliche Orientierung", also kniff ich ein Auge zu. Das kommt aber daher, dass die Augenstellung sich geändert hat und ich mich erst mal daran gewöhnen musste. Zu Hause musste ich natürlich gleich die Augen im Spiegel betrachten. Ob die OP wirklich gut verlaufen war, war nicht ganz einfach zu erkennen, weil das Auge natürlich verschwollen war, und das Weiße im Auge war jetzt blutrot. Es sah aus, als wäre der Augapfel selbst geschwollen. Die schmerzen waren aber nicht halb so schlimm, wie Du jetzt vielleicht nach der Schilderung meinen könntest (oder wie andere Leute meinen könnten, wenn sie das Auge sehen)! Wenn Du den ersten Tag hinter Dir hast, hast Du schon das Schlimmste überstanden, und es war zu keiner Zeit unerträglich. Die nächsten paar Tage hing ich eben zu Hause rum, meist auf dem Sofa oder im Bett, weil ich auch immer etwas müde war, aber drei, vier Tage nach der OP ging es mir schon wieder ganz gut. Das Auge juckte noch ein bisschen, das kam wohl von den Fäden, die im Auge scheuerten. Die Fäden lösen sich übrigens von selbst auf (igitt, wenn man die auch noch ziehen lassen müsste...). An die andere Augenstellung hatte ich mich nach einer knappen Woche gewöhnt. Es ging etwa zwei Wochen, bis ich nach dem Aufwachen nicht mehr Krusten vom Auge wegpulen musste. Inzwischen habe ich übehaupt keine Beschwerden mehr. Die Augen stehen jetzt ziemlich gerade, aber nicht ganz genau, weil ich auch noch nach oben schiele. Der Arzt meinte zwar vor der OP, dass das Höhenschielen vielleicht von selbst weggehen könnte, wenn das Innenschielen erst mal korrigiert wäre, hat aber scheinbar nicht ganz funktioniert. Um das Höhenschielen zu beheben, müsste man noch andere Augenmuskeln operieren, aber das lohnt sich bei der geringen Abweichung nicht, und ganz genau klappt es wohl nie, also werde ich nichts mehr dagegen unternehmen.
Es ist auf jeden Fall wesentlich besser als vorher, und die Leute kapieren es jetzt auch, wenn ich sie anschaue, während ich mit ihnen rede, das macht schon etwas aus.
Ich wünsche Dir viel Glück bei der OP, nach meinen ausführlichen Erläuterungen dürfte Dich ja nichts mehr überraschen! nd wie gesagt: keine Panik, das ist alles halb so schlimm (naja, ich hab jetzt gut reden, ich war ja auch reichlich nervös).
Viele Grüße
Diana



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